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Phnom Penh: 09.03 - 11.03


Natürlich stand auch die Hauptstadt Kambodschas auf meiner Reiseliste. Vor Ort habe ich einen Eindruck in die traurige Geschichte des Landes bekommen und das Nationalkundemuseum besichtigt. Wie es mir im schlimmsten Hostel bisher ergangen ist und warum die Eindrücke der Stadt zu den traurigsten meiner bisherigen Reise gehörten, könnt ihr hier lesen.



Das erste was ich gedacht habe als ich in Pnom Penh ankam war: Endlich mal wieder eine Großstadt :) Nach den letzten Zwischenstopps in Battambang und Kampong Chhnang in Kambodscha war es mal wieder angenehm richtige Supermärkte zu sehen und auch mehr Auswahl an Restaurants und Bars zu haben. 


Den Weg vom Busbahnhof zum Hostel bin ich zu Fuß gegangen. Es waren nur knapp zwei Kilometer und trotzdem habe ich unterwegs schon drei große Märkte und auch unzählige Bars gesehen. Einem Drink am Abend stand also nichts mehr im Wege. Aber erstmal musste ich im gebuchten Hostel ankommen.


Nachdem ich an zwei verschiedenen Happy Houses gefragt hatte, war ich im dritten endlich richtig. Das Hostel lag sehr zentral und direkt neben dem Nationalkundemuseum und einem riesen Markt. Da das Hostel super bewertet war, habe ich mir über den Dorm überhaupt keine Gedanken vorher gemacht. Als ich dann aber zu dem Zimmer geführt wurde, war ich doch etwas geschockt. Das Zimmer war richtig runtergekommen, die Bettwäsche dreckig und das Bad ein Alptraum. Das Spülbecken der Toilette offen, Löcher in der Wand und der Badewanne, in der man duschen musste. 


Da ich direkt bei der Ankunft bezahlt hatte und das Geld auch nicht zurückbekommen hätte, habe ich mich entschieden für die beiden Tage in dem schäbigen Zimmer zu schlafen und mir dafür bei meinem nächsten Stopp mal etwas schöneres zu gönnen :) Die erste Nacht konnte ich leider so gut bis gar nicht schlafen, weil ich im Dorm vor dem Zubettgehen noch eine riesen Kakerlake gesehen hatte und es mir seitdem überall gekrabbelt hat. Am nächsten morgen hat sich eine aus dem Zimmer sogar wegen Bettwanzenstiche ausgecheckt und im Badezimmer hat sich die nächste Kakerlake gezeigt.



Ich hatte zum Glück eine Tour zu den Killing Fields gebucht und keine Zeit weiter darüber nachzudenken. Für die Tour zu den Killing Fields habe ich mir einen Tuk Tuk Fahrer für den ganzen Tag gebucht und dafür 15$ bezahlt. Er hat mich dann zu der traurigen Gedenkstätte gefahren und davor auf mich gewartet. Ich weiß nicht, ob ihr so tief in der Geschichte Kambodschas drin steckt, aber was hier noch vor 40 Jahren passiert ist, schockiert zutiefst. 


Am 17.04.1975 haben die Roten Khmer unter dem Diktator Pol Pots die Hauptstadt eingenommen und innerhalb von 4 Jahren versucht aus Kambodscha einen Arbeiter- und Bauernstaat zu machen. Unter dem radikalen Kollektivismus kamen 3 Millionen Menschen bei einer damaligen Bevölkerung von nur 8 Millionen Menschen ums Leben. Die gebildeten Bevölkerung wurde als vermeintlicher Feind der Revolution getötet und die restliche Bevölkerung musste in der Landwirtschaft arbeiten, damit der Staat die Lebensmittel exportieren konnte, um neue Waffen kaufen zu können. Die Menschen selbst verhungerten oft oder starben an Erschöpfung. 


Mit Parolen wie „Dich zu behalten ist kein Gewinn. Dich zu verlieren ist kein Verlust“ wurden Menschen zunächst in Foltergefängnisse gebracht und anschließend auf den Killing Fields getötet. Selbst Kinder wurden umgebracht: „Um das Gras zu jäten, muss man seine Wurzeln entfernen“. An den Füßen gepackt wurden Babies gegen Bäume geschlagen und danach direkt daneben entsorgt. 



Der Besuch der Killing Fields und die direkte Konfrontation mit dem Thema hat mich sehr bewegt. Den geplanten Besuch des Foltergefängnisses habe ich im Anschluss deshalb auch ausfallen lassen. Beim Spaziergang am Abend hat mich allerdings etwas noch mehr erschüttert. Direkt neben dem Königspalast lag ein total unterernährten Mann auf einer Matte und konnte sich kaum noch bewegen. Ich habe ihm gegenüber etwas zu essen gekauft und mich im Restaurant erkundigt was dem Mann denn fehle. 


Sie sagten mir, dass er bereits seit 6 Monaten dort liegt und aufgrund einer Krankheit nicht richtig essen kann.  Er hätte aber auch kein Geld sich behandeln zu lassen und in Kambodscha muss erst gezahlt werden bevor man Hilfe im Krankenhaus bekommt. Die Geschichte von dem kranken Mann hat mich und meine Reisebegleitung so erschüttert, dass wir direkt helfen wollten. Es kann doch nicht sein, dass jemand sterben muss nur weil das Geld für die Behandlung fehlt!


Wir haben uns schon überlegt wie man das alles finanziell abwickeln könnte und auch Unterstützung anderer Organisationen oder Freiwilliger über Instagram und Co einholen kann. Um die Kosten vorab ungefähr abschätzen zu können, haben wir dann im Krankenhaus vor Ort anrufen lassen aber leider eine ernüchternde Nachricht bekommen. Sie wollten den Mann nicht abholen und behandeln. Die Begründung war, dass ihm niemand helfen kann. Das war echt ein trauriger Tag. Auf jeden Fall der schlimmste auf meiner Reise - wahrscheinlich sogar der letzten Jahre. 


Nachdem die Stimmung dann noch gedrückter war, sind wir noch kurz über den Nachtmarkt gegangen und danach wieder in das schreckliche von Kakerlaken eingenommene Hostel. Am nächsten Morgen ging es aber zum Glück schon wieder früh los nach Sihanoukville und ich war echt froh endlich auschecken zu können. 


Insgesamt war der Aufenthalt in Phnom Penh sehr emotional für mich, aber ich würde jedem empfehlen die Killing Fields zu besichtigen, weil es zur Geschichte des Landes gehört und einem mal wieder zeigt wie gut es uns doch geht. Einen ausgiebigen Spaziergang an der tollen Promenade der Stadt sollten ihr auch auf jeden Fall machen und einen der zahlreichen Baguette Stände testen :) 


Liebste Grüße,

Sophia 


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